Im Gespräch mit Christof Kindt
Was passiert, wenn ein erfüllter Berufsweg plötzlich nicht mehr genügt – und die Aufmerksamkeit sich nach innen richtet? Christof Kindt hat genau diesen Moment erlebt. Im Gespräch mit Hampi van de Velde erzählt er von Gedanken als schöpferischer Kraft, vom Eins-sein-Prinzip und davon, wie innerer Frieden im ganz normalen Alltag wachsen kann.
Hampi: Christof, wenn man dir begegnet, fällt vor allem eines auf: Ruhe. Du wirkst präsent, klar und sehr zugewandt. Wer bist du – in ein paar Sätzen?
Christof:
Ich bin in erster Linie Mensch. Ein Mensch, der versucht, Menschlichkeit zu leben – mit Respekt gegenüber anderen Menschen, gegenüber der Natur und dem Leben selbst. Ich reflektiere viel und suche nach dem Verbindenden, nach dem Lebensbejahenden.
Beruflich war ich viele Jahre Handwerker, Konditormeister und Unternehmer. Und irgendwann durfte ich erkennen, dass es im Leben um mehr geht als um Leistung oder Erfolg – es geht um Sinn. Diese Magie des Lebens, die darin liegt, möchte ich weitergeben an Menschen, die offen dafür sind.
Hampi: Die Magie des Lebens – also ein Magier?
Christof:
(lacht) Ja – wenn man so will: ein Magier der neuen Zeit.
Hampi: Auf deiner Visitenkarte steht das Eins-sein-Prinzip. Was bedeutet das in seiner Essenz?
Christof:
Im Kern geht es darum zu erkennen, dass nichts wirklich getrennt ist. Alles gehört zusammen – wie der Inhalt eines Glases und das Glas selbst. Als Menschen tragen wir eine enorme schöpferische Kraft in uns.
Gleichzeitig haben wir aber auch die Fähigkeit, uns innerlich zu spalten. Das Eins-sein-Prinzip lädt uns ein, diese Spaltung zu erkennen und wieder in Verbindung zu kommen: mit uns selbst, mit anderen Menschen und mit dem Leben.
Hampi: Du sprichst häufig von Gedanken als Ursprung von Trennung.
Christof:
Gedanken sind etwas Wundervolles. Sie sind Schöpfung. Für mich sind sie die Krönung der Schöpfung, weil sie uns ermöglichen, selbst schöpferisch zu sein. Doch sie sollten dem Leben dienen – nicht unseren inneren Konstrukten, mit denen wir uns identifizieren. Wenn Gedanken uns vom Leben wegführen, wenn sie Streit in uns erzeugen, dann entsteht Trennung. Diese innere Spaltung zeigt sich später auch im Außen – in Beziehungen, im Alltag, in der Gesellschaft.
Hampi: Woran merke ich, dass Gedanken mir nicht guttun?
Christof:
Ganz einfach: an meinem Gefühl. Nicht daran, wie es dem anderen geht, sondern wie es mir geht. Gefühle sind unser innerer Kompass. Wenn ein Gedanke mich eng macht, schwer oder hart, dann ist das ein Hinweis. Oft spüren wir das schon, bevor wir etwas aussprechen. Und wenn wir es doch tun, bekommen wir sehr schnell Resonanz. Das ist eine Einladung zur Selbstreflexion.
Hampi: Dein beruflicher Weg war sehr bodenständig. Bäcker, Konditor, eigene Bäckerei. Wann kam der Wendepunkt?
Christof:
Als ich mir ehrlich die Frage stellte: War das mein Traum – oder habe ich ihn einfach erfüllt? Ich liebte das Handwerk, das Arbeiten mit den Händen, das Sichtbare. Doch innerlich kam irgendwann die klare Antwort: Nein. Das war nicht alles. Diese Erkenntnis kam nicht dramatisch, sondern still – aber sehr eindeutig.
Hampi: Verantwortung für Familie blieb trotzdem.
Christof:
Absolut. Verantwortung hört nicht auf. Unsere Kinder kommen heute noch mit vierzig und fragen: Papa, was würdest du tun? Ich erkläre meinen Weg, meine Sicht – und lasse sie dann los. Jeder Mensch muss sein Leben selbst gehen. Diese Freiheit ist Teil von Liebe.
Hampi: Wie bist du schließlich zu dem gekommen, was du heute machst?
Christof:
Eine Frage hat mich mein Leben lang begleitet: Wozu sind Gedanken da? Als junger Mensch fand ich keine Antwort. Erst nach meiner frühen Pensionierung kam sie zurück – mit der Erfahrung von Jahrzehnten. Plötzlich fügten sich viele Fragmente zusammen. Erkenntnis kommt oft nicht durch intensives Suchen, sondern durch Reife und Stillwerden.
Hampi: Heute begleitest du Menschen. Was ist dein zentrales Anliegen?
Christof:
Ich wollte Frieden in mir finden. Und ich habe erkannt: Dieser Frieden liegt nicht im Außen. Ich kann niemandem einen Weg vorgeben, aber ich kann inspirieren, nach innen zu schauen. Jeder Mensch hat seine eigenen Themen, seine eigene Sprache, seinen eigenen Rhythmus. Frieden entsteht, wenn wir wieder eins mit uns selbst werden.
„Frieden finden wir nicht im Außen. Er entsteht, wenn wir wieder eins mit uns selbst werden.“
Hampi: Und in Konflikten? Mit schwierigen Menschen?
Christof:
Gerade dort zeigt sich das Eins-sein-Prinzip. Es ist einfach – aber nicht leicht. Der Schlüssel ist, nicht in den Widerstand zu gehen. Widerstand trennt. Manchmal braucht es ein kurzes Innehalten, manchmal ein Gespräch, manchmal Begleitung. Eins-sein ist kein Zustand, den man erreicht – es ist ein Weg, den wir unser Leben lang kultivieren dürfen.
Hampi: Familie ist dabei wohl eine besondere Schule.
Christof:
Definitiv. Familie ist eine Meisterschule des Lebens. Unterschiedliche Sichtweisen, Nähe und Distanz – all das gehört dazu. Respekt heißt nicht immer Einigkeit. Manchmal heißt es, dem anderen seine Sichtweise stehen zu lassen. Niemand muss die Welt so sehen wie ich.
Hampi: Wenn du deinem 25-jährigen Ich etwas mitgeben könntest – was wäre das?
Christof:
Du bist auf dem richtigen Weg. Und: Suche in dir, nicht im Außen. In dir ist alles – die Frage und die Antwort.
Hampi: Bist du heute glücklich?
Christof:
Ja. Aber das war ein Weg. Ich musste lernen, mir selbst ehrlich zu begegnen. Selbstliebe ist kein Satz vor dem Spiegel – sie ist ein Gefühl. Heute kann ich mir selbst mit einem Lächeln begegnen. Früher konnte ich das nicht. Und rückblickend war auch dieser Weg notwendig.
Hampi: Zum Abschluss: Deine Botschaft an unsere Leserinnen und Leser?
Christof:
Egal, wo du stehst: Du hast zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit, dein Leben zu verändern. Dein Alter spielt keine Rolle. Dein bisheriger Weg auch nicht. Wenn du es willst, kannst du dich jederzeit für Liebe, Einheit und Freude entscheiden. Es gibt keine Voraussetzungen – außer deine Bereitschaft.
Hampi: Vielen Dank, lieber Christof, für dieses offene und inspirierende Gespräch.
Nicht jede Begegnung braucht ein klares Ende. Manche dürfen nachwirken – leise, ehrlich, ohne Aufforderung.
Christof Kindt gibt keine Rezepte, sondern öffnet Räume: für Selbstwahrnehmung, für innere Klärung und für den Mut, dem eigenen Gefühl zu vertrauen.
Vielleicht liegt genau darin die Kraft des Eins-sein-Prinzips – nicht im Streben nach Perfektion, sondern im Wieder-bei-sich-Ankommen. Schritt für Schritt. Menschlich. Verbunden.

