Vom Erschaffen und den Lehren der Tiere
Hallo du, schön, dass du diese Zeilen liest. Ich danke dir, Fremde(r) oder Bekannte(r).
Ich sehe dich nicht hinter mir, aber ich möchte dir eines meiner Mottos zeigen, in Tinte gestochen: „Kunst ist Leben“ – und im Umkehrschluss: „Leben ist Kunst“. So sind diese niedergeschriebenen Worte einfach Gedanken über das Leben an sich, für mich und für dich.

Wir Menschen haben durch göttliche Fügung ein wunderbares Werkzeug geschenkt bekommen – unsere Hände. Mit ihnen können wir (er)schaffen und dadurch zugleich unseren Geist weiterentwickeln.
Das ist großartig, und so macht unsere Gesellschaft in vielen Bereichen Fortschritte, sowohl im Positiven als auch im Negativen. Der rasante Fortschritt der Digitalisierung hat beispielsweise sehr nützliche Werkzeuge hervorgebracht, zwingt uns aber auch dazu, achtsam zu sein, damit wir nicht in die Falle der bequemen Trägheit tappen, in der Wischen, Tippen und Konsumieren überhandnehmen und das physische (Er)schaffen – sei es mit Händen oder Geist – immer mehr in den Hintergrund tritt.
Vergessen wir nicht: Wir sind hier, um zu erschaffen, auch um unser eigenes Leben zu gestalten. Wir sind nicht zur Abhängigkeit und Unterwerfung geboren.
Unsere Hände und unser Geist wollen aktiv gestalten und nicht passiv wischen, tippen und sich ständig berauschen und berieseln lassen.
So bin ich auch mit meinem Kunstschaffen frei und unabhängig – weit weg vom digitalen Zeitalter. Ich zeichne, male, schnitze, kleckere, ergänze und spiele – weil es mir Freude macht.
Ein anderer jätet, pflanzt Blumen, zieht Gemüse groß, und wieder ein anderer baut Häuser, Ställe, ja, ganze Städte. Es tut einfach gut, etwas zu erschaffen.
Unsere Freunde, die Tiere, sind diesbezüglich genügsamer. Sie haben sich individuell spezialisiert, meistern ihr Dasein und sind wohl in ihrer Haut, solange wir ihnen nicht respektlos unseren Willen aufzwingen.
Wir sind göttliche Wesen, ebenso wie unsere freundlichen Mitbewohner. Mit dem großen Vorteil unserer virtuosen Hände und unseres dadurch besser ausgebildeten Gehirns.
Doch das ist auch schon der einzige Unterschied, durch den wir uns ihnen gegenüber hervorheben können. In Sachen Leidenschaft, Liebe, Treue, Trauer, Loyalität, Mut und all den anderen Gefühlen stehen sie uns in nichts nach. Deshalb bin ich immer tief ergriffen, wenn ich ein Tier beobachte, in seinem Tun und Sein.
„Kunst ist Leben – Leben ist Kunst“, sage ich. Was wir Leben nennen, ist unter anderem auch tägliche Inspiration. Eine Begegnung irgendeiner Art kann uns berühren und ergreifen – wenn wir es zulassen – und dann beginnt unser Geist zu wirken.
Zurzeit begeistern mich die Tiere, und es bereitet mir Freude, sie in unterschiedlichsten Formen darzustellen, ob lustig, freundlich, mystisch oder symbolisch. Ganz aktuell mag ich es, diese Kunstwerke in kleiner Form zu halten, sodass sie als Lesezeichen dienen und man sie überallhin mitnehmen kann. Hin und wieder verschenke ich eines, nach Lust und Laune. Ob als Unikat, knallbunt und frech, oder als klassischer Holzdruck – es macht mir einfach Freude.
Und so schließt sich der Kreis zurück zu etwas weniger Digitalisierung. Ich finde es großartig, den Flügelschlag eines Vogels als Printausgabe in den Händen zu halten, als Gegenpol zur Flut von Onlinemedien. Ich mag den Geruch und die Haptik von bedrucktem Papier. Das passt auch wunderbar zu meinen Lesezeichen. Es ist doch viel schöner, ein solches zwischen die Seiten zu klemmen, als ein Eselsohr zu machen.
Als Künstler genieße ich es, mit verschiedensten Materialien und Stilen zu experimentieren. Wie bereits erwähnt, lasse ich mich vom Leben inspirieren. Heute sind es die Tiere, weil ich im Zoo übernachten durfte.
Morgen sind es vielleicht die Bäume, wenn die Blätter zu fallen beginnen. Übermorgen vielleicht die schneebedeckten Berge, oder der Mensch in all seinen Facetten, oder ein ruhiges Stillleben.
Alles ist erlaubt, wenn man sich frei fühlt. Vielleicht beginnen dann die Augen einiger Betrachter zu strahlen, Emotionen werden geweckt, und das Kunstwerk will besessen werden. Das ist ein schöner Mehrwert.
Als Kunstvermittler möchte ich mit einem breit angelegten Wissensspektrum meine Kursteilnehmer dazu ermutigen, wieder ins (Er)schaffen zu kommen – ohne dabei zu viel zu werten. Der Prozess ist wichtiger als das Ergebnis.
Große Freude und Genugtuung empfinde ich, wenn Menschen über ihren Schatten springen, den Mut finden, Grenzen zu sprengen, und ich in zufriedene, stolze Gesichter blicken darf. Solltest du, liebe(r) Leser(in), mir einmal begegnen und ich in dein Gesicht blicken, wird mich das freuen.
Genug für heute – alles Gute und lass dich inspirieren.
Lehörse, Edgar

Autor

Edgar Stöckli
«Seit über dreißig Jahren mache ich Kunst, die für mich eine Quelle der Inspiration und Lebensfreude ist. Kunst beflügelt, sie weckt Gefühle und bringt Farbe und Freude in jedes Heim. Für mich ist sie auch eine wunderbare Lebensschule. Ich erschaffe nach Lust und Laune, und wenn meine Werke jemanden im Herzen berühren, dann ist das für mich einfach großartig.» www.edart77.com
