Ein Weg zu einer nachhaltigen Zukunft
Die Verbindung von Natur und Technologie eröffnet neue Perspektiven für unsere Energieversorgung. In diesem Artikel berichtet Fredy Scheuber von seinen persönlichen Erfahrungen mit Permakultur, der Kraft der Sonne und kreativen Low-Tech-Lösungen, die nicht nur autark, sondern auch umweltfreundlich sind. Erfahre aus der Praxis, wie lokale Energiesysteme und natürliche Bauweisen den Weg zu mehr Unabhängigkeit und einem harmonischen Leben im Einklang mit der Natur ebnen können.
Der Fluss des Lebens
Im Oktober 2019 erlebte ich einen Wendepunkt in meinem Leben: Zum ersten Mal seit meiner frühen Kindheit hatte ich keinen Plan für meine Zukunft. Keine Termine, keine Verpflichtungen – nichts. Die Sehnsucht nach einer langen, offenen Reise war der Grund dafür. Mir war bereits bewusst, dass ich meine Lebenszeit nicht länger dem materiell-industriellen Komplex opfern wollte. Ich ließ mich von Begegnungen und meiner inneren Stimme leiten, in der Hoffnung, neue Perspektiven und Vertrauen in den Fluss des Lebens zu finden.
Eine Offenbarung in der Wüste
Diese Hoffnung erfüllte sich während eines vierwöchigen Permakultur-Praxis-Kurses, der mich vom Sinai in die südisraelische Arava-Wüste führte. Dieser Kurs öffnete mir die Augen für dezentrale, bedürfnisorientierte Lösungen, die im Einklang mit der Natur stehen und an lokale sowie kulturelle Gegebenheiten angepasst sind. Besonders beeindruckte mich der Aspekt der lokalen Energiesysteme. Die Frage nach einer nachhaltigen Energieversorgung faszinierte mich bereits seit meines Ingenieurstudiums, doch die Idee, dies durch einfache, natürliche Kreisläufe zu verwirklichen, entfachte eine kindliche Begeisterung in mir.
Seitdem ist die Permakultur-Philosophie ein fester Bestandteil meines Lebens. In den letzten vier Jahren habe ich viel über Solaranlagen gelernt und mich intensiv mit kreativen Low-Tech- und Low-Cost-Lösungen beschäftigt. Dieses Wissen zu verbreiten, wurde zu meiner Berufung und bildet heute den Kern meiner selbständigen Tätigkeit. Ich bin überzeugt, dass wir durch das Beobachten und Verstehen der natürlichen Zyklen – wie dem Sonnenverlauf und den jahreszeitlichen Temperaturunterschieden – enorme Mengen an Energie einsparen können. Lass mich dir einige dieser Visionen näherbringen.
Kochen & Heizen
Eine spielerische Möglichkeit, ohne Strom oder Verbrennung zu kochen, bieten sogenannte Solarkocher. Es gibt verschiedene Modelle und Techniken, um Sonnenlicht direkt zum Erhitzen von Speisen zu nutzen.
Ich persönlich verwende eine Korkbox mit einer Glasscheibe, die das Licht hereinlässt. Ein klappbarer Spiegel vergrößert die Fläche, die das Sonnenlicht einfängt. Die schwarze Innenseite der Box wandelt das Licht in Wärme um, und der Treibhauseffekt des Glases hält die Wärme in der Box. Viele Arten von Solarkochern kann man sogar selbst bauen.
Eine weitere stromlose Methode ist das Kochen mit Biogas. Küchenabfälle und Grüngut dienen als Nahrung für Mikroorganismen, die das organische Material in brennbares Methan umwandeln.
Während meines Permakultur-Kurses haben wir vier Wochen lang mit einer kleinen Biogasanlage gekocht, die wir mit Gartenabfällen und Essensresten fütterten. Als Nebenprodukt entsteht dabei wertvoller Flüssigdünger für den Garten.
An kalten Tagen bietet sich die Kombination von Kochen und Heizen an. Ein Backofen, der nach dem Kochen noch Wärme abgibt, hilft, den Raum zu erwärmen. Heizungsherde sind speziell darauf ausgelegt, sowohl zum Kochen als auch zum Heizen zu dienen. Auch das Kochwasser kann als kleine Heizung fungieren, wenn man es in der Küche abkühlen lässt – dabei wird gleichzeitig die oft zu trockene Winterluft befeuchtet. Dasselbe gilt für Dusch- und Badewasser. Weggeworfen ist die Energie erst, wenn das warme Wasser den Ablauf runter fliesst.
Weil Wasser eine aussergewöhnlich hohe Wärmespeicherkapazität besitzt, eignet es sich sogar dafür, Energie vom Sommer in den Winter zu transportieren. Saisonale Wärmespeicher – sei es mit Wasser, Sand oder Bauschutt – können dazu beitragen, den Energiebezug erheblich zu senken, da etwa 75 % der Sonnenenergie im Sommerhalbjahr zur Verfügung stehen. Diese Speichertechnologien sind besonders interessant, da Heizen und Warmwasser im privaten Bereich rund drei Viertel des Gesamtenergieverbrauchs ausmachen.
Natürliches Bauen
Die Basis für energieeffizientes Heizen liegt schon in der Bauweise eines Hauses. Eine gute Isolierung, doppelt oder dreifach verglaste Fenster sowie thermische Masse in Form von Stein, Lehm oder Holz wirken als Temperaturpuffer. Sie verhindern ein schnelles Abkühlen im Winter und eine Überhitzung im Sommer.
Eine energetisch sinnvolle Bauweise mit lokalen & natürlichen Baustoffen spart im Bau und Betrieb viele Ressourcen und trägt nachweislich zu einem gesunden Wohnklima bei.
Strom & Autarkie
Heute ist Elektrizität in fast jedem Bereich unseres Lebens unverzichtbar. Ihre Vorteile liegen in der einfachen Übertragung, der Skalierbarkeit und der Umwandlungsfähigkeit in andere Energieformen. Gleichzeitig bringt sie auch Nachteile wie Elektrosmog und Verluste bei Transport und Umwandlung mit sich.
Die Photovoltaik bietet eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, lokal Strom zu erzeugen. Mit einfachen Hilfsmitteln lässt sich der Eigenverbrauchsanteil optimieren. Kleinere Wind- und Wasserkraftwerke sind technisch und rechtlich eher herausfordernd. Moderne Wechselrichter, die inselfähig sind, ermöglichen es, bei Stromausfällen mit Hilfe eines Speichers autark zu bleiben und Preisschwankungen zu trotzen.
In meiner Vision der zukünftigen Energieversorgung sehe ich keine völlige Autarkie jedes einzelnen Hauses. Vielmehr halte ich eine enge Zusammenarbeit in Quartieren oder Dörfern für sinnvoll, wie es der Zusammenschluss zum Eigenverbrauch in der Schweiz bereits ermöglicht. Wesentlich ist das Bewusstsein über die Vielzahl an Energiequellen und die Kenntnis einfacher Methoden, die uns ein Stück Unabhängigkeit schenken.
Mit einer starken Verbindung zur Natur und einer bewussten Nutzung unserer Ressourcen ist vieles möglich. Und wer weiß, vielleicht erleben wir eines Tages sogar einen kollektiven Bewusstseinswandel, der uns die Tür zur Freien Energie öffnet.

Autor

Fredy Scheuber
Lokale Energiesysteme: Stromerzeugung, Heizen, Speichersysteme, Solarkocher, Biogas, Autarkie | Permakultur: Vom Selbstversorgergarten über Komposttoiletten bis zum natürlichen Bauen
