Der Mensch zwischen Grösse und Zurückhaltung
Mit Buckelwalen im offenen Ozean schwimmen, den Walgesang mit jeder Zelle hören und dabei sich selbst neu begegnen: Diese Reise nach Moorea ist mehr als ein Abenteuer. Sie ist eine Einladung, Ja zu sagen – zum Leben, zur eigenen Tiefe und zu einer Erfahrung, die lange nachklingt.
Es ist an der Zeit, über etwas zu schreiben, worüber ich schon lange schreiben wollte. Über die Erkenntnis, dass wir Menschen uns oft zu wichtig nehmen – und uns gleichzeitig viel zu wenig wertschätzen für das, was wir sind: eine aussergewöhnliche Spezies, die Dinge vollbracht hat wie keine andere auf diesem Planeten.
Wir leben in Höhen über 4000 Metern, tauchen in Tiefen von mehreren tausend Metern, durchqueren Kontinente zu Fuss, mit dem Fahrrad, dem Motorrad oder in selbst gebauten Solarmobilen. Wir überqueren Ozeane einhändig und begegnen in unseren inneren Welten Wesen aus anderen Dimensionen. Der Mensch – so kritisch er sich selbst betrachtet – schafft Grosses.
Und dennoch wagen sich viele nicht an ihre eigenen Grenzen. Viele lernen sich nie wirklich kennen – so, wie sie sind, wenn sie dem Unbekannten begegnen.
Sich selbst finden – jenseits von Gefahr
Wie also finden wir zu uns selbst?
Der Volksmund sagt, dass wir in Gefahr oder grosser Not über uns hinauswachsen. Doch sich absichtlich in Extremsituationen zu begeben, nur um sich selbst zu erkennen, erscheint mir kein stimmiger Weg. Viel friedlicher – und ebenso tiefgehend – ist es, Dinge zu tun, die wir schon immer tun wollten, uns aber nie zugetraut haben: ein Instrument spielen, klettern lernen, Gleitschirmfliegen, einen Segeltörn wo es auch mal Wellen hat.
Und manchmal schenkt uns das Leben eine Gelegenheit, die wir uns nie hätten ausmalen können. Ja zu solchen Momenten zu sagen – selbst wenn sie absurd oder unverhältnismässig wirken – ist für mich eine der kraftvollsten Arten, sich selbst zu begegnen.
Die Einladung der Wale
Eine solche Gelegenheit ergab sich, als mich Bettina von Onitani fragte, ob ich sie als Reisebegleiter nach Moorea begleiten wolle, um mit Walen zu schwimmen.
Mit 30 bis 40 Tonnen schweren Geschöpfen im offenen Meer zu sein und ihren Gesang – den ich zuvor nur von Meditations-CDs kannte – mit dem ganzen Körper zu hören, stand auf keiner meiner Lebenslisten. Und ausserhalb einer Lagune, draussen im offenen Ozean, im Zuhause der Wale, schon gar nicht. Gerade deshalb musste ich Ja sagen.
Wale gelten als Wesen, die einst den Weg an Land wagten – und sich dann entschieden, ins Meer zurückzukehren. Für mich sind sie majestätische Erzengel der Meere. Delfine, ihre kleineren Verwandten, empfinde ich als Engel: verspielt, sozial, voller Lebensfreude.
Ich erinnere mich an einen einsamen Strand an Australiens Ostküste, wo ich Delfine sah, die Wellen ritten – voller Übermut, wie Kinder auf Surfbrettern.
Souveränität, Nähe und stille Berührung
Wale hingegen stehen in ihrer eigenen Kraft. Sie brauchen keinen Kampf, um präsent zu sein. Ihre Souveränität zeigt sich in der Ruhe, mit der sie ihre Jungen schützen – indem sie sie unter sich nehmen, einhüllen und abschirmen. Uns Menschen begegnen sie nicht mit Misstrauen. Sie sehen uns nicht als Feinde.
Unsere Annäherung an sie ist klar geregelt und von Respekt getragen. Wie nahe wir kommen dürfen, ist begrenzt – wie nahe sie kommen, entscheiden allein die Wale selbst. Und wenn sie sich nähern, dann tun sie es mit einer Anmut und Sanftheit, die tief berührt. Manchmal sind es gerade die Jungtiere, die neugierig näherkommen, uns umkreisen oder uns vorsichtig berühren – nicht fordernd, nicht prüfend, sondern auf eine stille, fast beschützende Weise. Als wüssten sie genau, wie viel Nähe für uns möglich ist.
Der Gesang, der alles durchdringt
In diesen Momenten geschieht etwas, das sich kaum in Worte fassen lässt. Der Raum weitet sich, die Zeit verliert an Bedeutung, und wir beginnen zu lauschen – nicht nur mit den Ohren, sondern mit dem ganzen Körper. Der Walgesang durchdringt das Wasser, schwingt durch jede Zelle und erinnert uns an etwas Uraltes, Vertrautes. Etwas, das wir vielleicht längst vergessen hatten und das uns nun still wiederfindet.
Der Weg nach Moorea
Was ich neben meinen Eindrücken teilen möchte, ist das Drumherum einer solchen Walexkursion. Gerade dieser Weg hält viele Menschen davon ab, einem inneren Ruf zu folgen oder einen Lebenstraum Wirklichkeit werden zu lassen.
Moorea liegt 21 Kilometer neben Tahiti im Stillen Ozean. Die Reise dorthin ist lang, aber gut machbar: von Europa über San Francisco nach Papeete, eine Nacht nahe dem Flughafen, dann mit der Fähre weiter nach Moorea.
Spätestens auf dieser Überfahrt stellt sich das Gefühl ein, in eine andere Welt einzutreten. Oft sehen wir bereits die Fontänen der Wale. Gedanken und Erwartungen entstehen – und werden vor Ort doch von einer Realität übertroffen, die sich nicht vergleichen lässt.
Eine Insel in Resonanz
Moorea selbst ist schlicht zauberhaft: üppig bewaldete Berge, türkisfarbene Lagunen, tiefblauer Ozean, freundliche Menschen, süsse Früchte und eine Natur, die unmittelbar berührt. Die herzförmige Insel inspirierte den Disney-Film Vaiana. Wir durften sogar den Perlenmann Tamateo besuchen, dessen Familiengeschichte den Film prägte – ein Erlebnis, das den Zauber dieser Insel noch vertiefte.
Im Wasser mit den Walen
Wer mit den Walen ins Wasser möchte, sollte sicher schwimmen, mit Flossen und Schnorchel umgehen können und eine gute Grundfitness mitbringen. Vom Boot aus schwimmen wir gemeinsam 100 bis 300 Meter im offenen Meer. Oft bleiben wir eine halbe bis eineinhalb Stunden im Wasser, weshalb 3-mm-Neoprenanzüge obligatorisch sind.
Wale tauchen etwa alle 25 Minuten zum Atmen auf. Die sichtbare Fontäne verrät uns ihren Standort. Während wir im Wasser warten, verbinden wir uns innerlich mit den Tieren – durch Lauschen, Stille und Präsenz.
Dabei folgen wir stets den Anweisungen unseres Guides. Nur durch klare Regeln bleibt Moorea einer der wenigen Orte, an denen das Schwimmen mit Buckelwalen erlaubt ist.
Auch vom Katamaran aus ist das Erleben intensiv: Wale, Delfine, Meeresschildkröten und fliegende Fische zu beobachten, berührt auf eine ganz eigene Weise.
Gemeinschaft, Klang und Begleitung
Wir wohnen in einer Villa direkt am Strand, kochen gemeinsam, tauschen uns aus, lachen, singen, tanzen und philosophieren. Ob du mit den Walen schwimmst oder alles vom Boot aus erlebst – alles darf, nichts muss. Fakultative Ausflüge wie die Wanderung zum Belvedere sind freiwillig. Pausen sind willkommen. Gemeinschaft entsteht durch gemeinsames Leben.
Meine Rolle ist die Begleitung vor Ort. Die Organisation liegt bei Bettina, gemeinsam mit Tino von Onitani. Morgens gestalten Bettina und ich am Strand Meditationen, Seelengesang, Klingen oder Heilkreise – inspiriert von den Traditionen der Maori, für die Klang und Gesang eine Form der Kommunikation mit den Elementen sind.
Die Amtssprache ist Französisch. Wer sie spricht, ist im Vorteil. Wer nicht, hilft mir mit Händen und Füssen – umso dankbarer bin ich, dass Bettina fliessend Französisch spricht.
Vielleicht geht es bei dieser Reise nicht darum, den Walen nahe zu sein – sondern uns selbst. Und vielleicht lesen wir diese Zeilen genau dann, wenn etwas in uns bereit ist, sich erinnern zu lassen: an unsere eigene Tiefe, unsere Sanftheit und unsere Kraft. Manchmal braucht es dafür keinen Umweg. Sondern nur ein klares, inneres Ja.
Maruru,
Hampi

Du willst dich und die Wale erleben?
Walreise nach Moorea – September 2026
Reiseziel: Moorea, Französisch-Polynesien
Schwerpunkt: Begegnung mit Buckelwalen im offenen Ozean, spirituelle Praxis, Gemeinschaft
Zeitraum: September 2026 (Wal-Saison)
Teilnahmevoraussetzungen:
– Sicheres Schwimmen, Schnorcheln mit Maske & Flossen
– Gute körperliche Grundfitness
– Bereitschaft zu respektvollem Verhalten im Wasser
Unterkunft: Villa direkt am Strand, gemeinsames Kochen & Leben
Inhalte:
– Walexkursionen (freiwillig, Schwimmen oder Beobachten vom Boot)
– Meditation, Seelengesang, Klingen, Heilkreis
– Zeit für Erholung, Austausch und Naturerleben
– Fakultative Ausflüge (z. B. Belvedere-Wanderung)
Organisation & Begleitung:
Bettina (Organisation & Reiseleitung)
Tino von Onitani (Administration)
Hampi (Begleitung & Seminararbeit vor Ort)
Leitsatz der Reise:
Alles darf, nichts muss – und einiges sollte.
Alle Infos zu der Reise:
https://www.onitani.com/reise-walreise-moorea.html

Autor

Hampi van de Velde
Heilmedium | SVNH geprüfter Ausbildner für Heil-medien | Buchautor und Tutor der ISF (International Spiritualist Federation)

