Was haben Naturkatastrophen mit unserer emotionalen Gesundheit und vielleicht sogar mit unserem Überleben zu tun? Mit diesem Artikel wagt Eric Beaschlin den Versuch, Naturkatastrophen aus einem ganzheitlicheren Blickwinkel zu betrachten und sie, im besten Fall, tiefer zu verstehen.
Die häufigsten Naturkatastrophen der letzten 40 Jahre sind Überschwemmungen, an zweiter Stelle stehen Stürme. Danach folgen Erdbeben, extreme Temperaturen (Hitze oder Kälte), Erdrutsche, Dürren, Flächenbrände und, eher seltener, Vulkanausbrüche.
Was bedeutet das Wort «Naturkatastrophen» eigentlich? Natur bedeutet ursprünglich das Hervorbringen, die Geburt, natürliche Beschaffenheit, das Wesen, die Schöpfung. Der Ursprung von Katastrophe ist das griechische kata-stréphein, kata bedeutet unter anderem herunter, gänzlich, völlig, und stréphein bezeichnet drehen, wenden. Katastrophé meint also Umkehr, Wendung.
Was könnte das auf einer psychisch-seelischen Ebene für uns bedeuten?
• Dass wir uns ganz auf uns selbst einlassen, auch auf die Anteile in uns, die wir nicht mögen.
• So können wir unsere wahre Natur, unsere natürliche Beschaffenheit und unser wahres Wesen völlig erkennen – wenn wir den Mut haben, umzukehren und uns nach innen zu wenden.
• Wir könnten unser Schicksal und damit das der Erde (dazu später mehr) gänzlich wenden, etwas Neues hervorbringen und schließlich in einen anderen Zustand geboren werden, wenn wir die Schöpfung ehren – in uns selbst sowie in der Außen- und Mitwelt.
Das ist aber noch nicht alles! Um den Naturkatastrophen noch tiefer auf den Grund zu gehen, machen wir jetzt einen thematischen Abstecher in die Welt der psychischen Erkrankungen.
Seit Jahren nehmen Arbeitsausfälle aus psychischen Gründen deutlich zu, psychische Erkrankungen sind so häufig wie noch nie. (Über ein Drittel der Bevölkerung der Schweiz hat z. B. im Herbst 2022 über entsprechende Symptome berichtet ), die Verschreibung von Psychopharmaka (v. a. Antidepressiva) oder Schmerzmitteln hat sich vervielfacht, die psychiatrischen Kliniken sind voll, die Wartelisten bei Psychotherapeuten sind teilweise auf Monate hinaus ausgebucht. Es geht uns also, trotz Fortschritten in den Behandlungsmöglichkeiten, nicht zusehends besser – sondern psychisch immer schlechter!
Über zwei Drittel der psychischen Erkrankungen in der Schweiz sind mit Depressionen und Angststörungen verbunden .
Was bedeutet «Depression»?
Im 19. Jahrhundert wurde „déprimer“ aus dem Französischen ins Deutsche übernommen und bedeutet „niederdrücken“. Was sind die psychosomatischen Hintergründe dieser Erkrankung ? Was wird bei einer Depression niedergedrückt? Unter anderem die eigene Lebensenergie, der Lebenswille, Gefühle wie Trauer, Wut, Ohnmacht und das Einlassen auf die gesunde Polarität des menschlichen Lebens . Zudem kann eine zu starke Orientierung an Anforderungen von außen und gesellschaftlichen Konventionen (Erfolg, materieller Reichtum) dahinterstecken.
Wir leben leider oft fremdbestimmt – statt aus uns selbst heraus, aus eigenen Impulsen und mit eigenen Zielen.
Auf was weist uns eine Depression also hin?
Gefühle (endlich) zuzulassen und nicht mehr wegzudrücken, in eine konstruktive und gesunde Auseinandersetzung mit der Dualität des Lebens und der Welt zu gehen und vor allem: mehr Vertrauen in mich selbst zu haben, damit die Antworten in mir selbst reifen können – und sie nicht im Außen zu suchen.
Der Begriff „Angst“ hatte früher die Bedeutung „eng“ und ist körperlich mit Enge und Beklemmung verbunden. Auf psychosomatischer Ebene können zum Beispiel folgende Themen dahinterstehen: Fluchtgefühle, unverarbeitetes (Vor-)Geburtstrauma, fehlender Rückhalt oder mangelndes Urvertrauen, zu wenig Selbstliebe, fehlendes Vertrauen in die eigene Kraft und Handlungsfähigkeit (Selbstwirksamkeit!), zu viel Kontrolle über Körper und Emotionen mit mentalen „Konstrukten“ und anderes mehr.
Die „Botschaft“ von Angstzuständen an uns ist ähnlich wie bei Depressionen: Es geht darum, sich auf das, was an Gefühlen in uns ist, einzulassen, Gefühle nicht zu unterdrücken – sondern sie möglichst frei fließen zu lassen. Traumatische Erfahrungen zu verarbeiten, zu integrieren und die tief in uns eingeprägten, biologischen Stressreaktionen langsam zu entkoppeln. Urvertrauen und Selbstliebe stärken, sich selbst positive Erfahrungen in Bezug auf die eigene Kraft zu schenken. Weniger „im Kopf sein“ und den Körper und die Gefühle mehr wahrnehmen, weniger über die Welt nachdenken, sondern mehr in ihr leben und sein.
Was hat dieser thematische Abstecher nun mit Naturkatastrophen zu tun?
Bei vier Fünfteln aller Naturkatastrophen sind hauptsächlich die Elemente Wasser und Luft beteiligt . Und diese haben eine interessante Verbindung zu Depressionen und Ängsten. Wasser und Luft weisen uns in verschiedenen Traditionen und Kulturen auf eine ganze Vielzahl von Themen hin:
Wasser steht zum Beispiel für Gefühle, das Unterbewusstsein, die Sinne (→ Sinn) und Weisheit. Außerdem für Energie und Kraft, das Wissen, wo wir herkommen (Quelle), sowie für Verbindung. Und nicht zuletzt für Reinigung, Transformation, Erneuerung und Heilung .
Luft symbolisiert unter anderem Wissen und Intelligenz – aber auch Intuition und Kreativität. Sie steht zudem für Atem, Leben, Bewegung und Freiheit und wird mit Kommunikation und (Selbst-)Ausdruck in Verbindung gebracht. Genau diese Qualitäten zu beherzigen, könnte ein möglicher Ausweg aus Depressionen und Ängsten sein.
In meinem Empfinden wäre es eine zentrale Aufgabe der Menschheit, „Hüter der Erde“ zu sein. Doch dieser Aufgabe werden wir alles andere als gerecht: Wir haben schon größte Mühe, wirklich Verantwortung für uns selbst zu übernehmen.
Dabei ist das Wohlergehen von Mutter Erde zutiefst mit unserem eigenen Wohlergehen – und umgekehrt – verknüpft.
Das verstärkte Auftreten von Naturkatastrophen könnte uns also auf psychisch-seelischer Ebene 1.) eine zunehmend deutliche Warnung sein und 2.) gleichzeitig ein nicht mehr zu ignorierender Spiegel: So wie wir mit uns selbst umgehen, so geht es auch der Erde – wie innen, so außen .
Mögen wir uns also (endlich und wieder) erlauben, zu fühlen, nach innen zu horchen und uns auf uns selbst zu besinnen. Und genau dies ist ja auch eine der dringlichen Botschaften von Depressionen und Angstzuständen an uns. Wenn wir uns selbst heilen, fördern wir auch die Heilung der Erde.
Das Fühlen erlaubt uns, (wieder) Verbindung zu spüren – zu unserem Körper und seinen Bedürfnissen, zu den Menschen um uns herum und unserer Mit-Schöpfung. Und dies wiederum ist die Basis, um in ganz neuer Weise in echte Verantwortung zu gehen: Ich kreiere die Welt mit! Möchte ich sie wirklich so haben, wie sie sich mir zeigt?
Eine vor allem materiell-mechanistische Weltsicht mit all ihren technischen Möglichkeiten, Algorithmen und künstlicher „Intelligenz“ wird unser Untergang sein, wenn wir nicht (wieder) lernen zu fühlen, ganz bei uns und mit uns zu sein, mit allem, was ist – um so in geerdeter Weise unser ganzes Potenzial und unsere Kraft zu leben.
Das Fühlen erlaubt uns, (wieder) Verbindung zu spüren – zu unserem Körper und seinen Bedürfnissen, zu den Menschen um uns herum und unserer Mit-Schöpfung. Wir können nicht leben, wenn wir gegen unsere innere und äußere „Natur“ angehen, sondern nur mit ihr. Die Katastrophen werden sich sonst nur noch mehr zeigen … wir wählen. Mögen wir weise wählen!


Eric Baeschlin
Autoren

Helene Lanz & Eric Baeschlin
Emotions- & körperzentrierte Traumatherapie | Einzel- & Paartherapie | Naturcoaching, indian. Medizinrad | Psychosynthese | Energie- & Seelenarbeit
