Permakultur

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In Verbindung mit dem, was mich umgibt und was mich versorgt

 

Permakultur ist mehr als ein Gartensystem – sie ist eine Lebensphilosophie. Sie zeigt, wie wir im Einklang mit der Natur leben, Ressourcen achtsam nutzen und zugleich innere Ruhe finden können. Der Artikel nimmt dich mit auf eine Reise zu einfachen, dezentralen Lösungen, gelebter Spiritualität im Alltag und der Frage: Wie können wir uns selbst ermächtigen, in Verbindung zu sein mit dem, was uns umgibt und versorgt?

Mein persönlicher Beginn


Es ist nicht allzu lange her, im Frühling 2020, als sich mir im Fluss einer langen, offenen Reise die Permakultur-Philosophie offenbarte. Einfache, dezentrale, bedürfnisorientierte Lösungen, welche im Einklang mit der Natur stehen. Es war – wie so oft im Leben – nur ein Entdecken von etwas, das tief in mir bereitliegt.

Was bedeutet Permakultur?


Permakultur setzt sich aus den beiden Teilen „permanent“ und „culture“ bzw. „agriculture“ zusammen und steht für eine nachhaltige Bewirtschaftung des Lebensraums durch die Menschen sowie für deren friedvolles Zusammenleben. Im Zentrum stehen die drei ethischen Grundsätze:

• Achtsamer Umgang mit der Erde (Earth Care)
• Achtsamer Umgang mit den Menschen (People Care)
• Gerechte Verteilung und Nutzung von Ressourcen (Fair Share)

Eine abstrakte Definition vom Ideenvater der Permakultur, Bill Mollison, lautet:

„Ein nachhaltiges System ist ein System, welches in seiner Lebzeit mehr Nutzen und Energie generiert, als dessen Auf-bau und Unterhalt bedürfen.“

Wenn man betrachtet, wie wir heute mit unseren Ressourcen umgehen, scheint es, als hätten wir ver-gessen, dass noch viele Generationen nach uns folgen werden. Die Permakultur versucht, die Natur zu verstehen, sie zu würdigen und als Vorbild zu nehmen. Ihre vielfältigen Ökosysteme sind ein für uns kaum fassbares, perfektes Zusammenspiel unzähliger Elemente.

Die Natur ist ein „System“ ohne Abfälle, das sich laufend selbst reguliert. Alles geschieht in großen und kleinen Kreisläufen – und alles scheint mit allem verbunden zu sein.

Wurzeln und Ursprünge


Die Grundgedanken der Permakultur wurden in den 1970er-Jahren von den beiden Australiern Bill Mollison und David Holmgren niedergeschrieben. Doch die Ideen dahinter sind uralt. Viele davon sind seit Jahrhunderten verankert in traditionellen und indigenen Kulturen, die sich stets an den natür-lichen Zyklen und lokalen Gegebenheiten orientierten.

Neu ist die Anwendung einer solchen Betrach-tungsweise in einer hochtechnisierten Gesellschaft, die sich in vielerlei Hinsicht von den natürlichen Kreisläufen abgekoppelt hat.

Low-Tech und Selbstermächtigung


Neben der Verbindung zur Natur ist auch die Würde und Selbstwirksamkeit des Menschen ein wich-tiger Aspekt der Permakultur. Es ist wesentlich, dass wir die Systeme, in denen wir uns bewegen, kennen und verstehen, damit wir reagieren können, wenn etwas aus der Balance gerät.

Ein einfaches Beispiel ist der Bau eines Hauses. Auf der ganzen Welt finden wir in traditioneller Bauweise eine von natürlichen und lokalen Ressourcen geprägte Architektur, bestmöglich angepasst an Klima und Kultur. Traditionelle Häuser sind oft aus nur wenigen Naturmaterialien wie Holz, Stein, Lehm, Stroh oder Dung erbaut. Jeder und jede war in der Lage, ein Haus zu bauen, mitzugestalten oder zu reparieren.

„Moderne“ industrielle Gebäude hingegen enthalten meist hunderte verschiedener (Kunst-)Stoffe und bilden am Ende ihres Lebenszyklus einen großen Haufen Sondermüll. Hinzu kommen teure Abhän-gigkeiten für eine komplexe Klimatisierung des Hauses.

Ein weiteres Beispiel ist eine Biogasanlage. Mit einfachen Mitteln lässt sich eine solche Gasprodukti-on zu Hause selbst umsetzen. Grünabfälle und Essensreste dienen als Futter für den Fermenter, der die Feststoffe in brennbares Gas umwandelt.

Dieses kann gespeichert und zum Kochen oder Heizen genutzt werden. Es ist dasselbe Funktionsprin-zip, das wir von unserer Verdauung her kennen.

In Verbindung mit Land, Haushalt und Tieren lassen sich ganze Ketten und Netze von permakulturel-len Elementen errichten. Der Output oder auch Abfall des einen Systems soll stets als Input für ein anderes System dienen. Ein Element soll im Idealfall möglichst viele Funktionen gleichzeitig über-nehmen – wie ein Dach, das uns vor dem Wetter schützt, Hitze und Kälte abwehrt, gleichzeitig Re-genwasser sammelt und zur Gewinnung von Sonnenenergie dient.

Bill Mollison brachte es seinerzeit so auf den Punkt:

„Obwohl die Probleme in dieser Welt immer komplexer erscheinen, bleiben die Lösungen beschämend einfach.“

 

Die Prinzipien der Permakultur


Die Pioniere der Permakultur haben Gestaltungsprinzipien zusammengefasst, die es erleichtern, einen regenerierenden Weg für unser Ziel zu finden. Wir können sie als eine Art Brille nutzen, mit der wir unser jeweiliges Problem betrachten.

Es sind einfache Leitsätze wie:

• „Sammle und speichere Energie“
• „Reagiere kreativ auf Veränderung und nutze sie als Chance“
• „Produziere keinen Abfall“

Eine gute Ausgangslage für ein gelungenes Projekt wird dadurch geschaffen, dass ein System über längere Zeit beobachtet und unter möglichst vielen Gesichtspunkten verstanden wird. Es geht nicht nur um theoretische Analyse, sondern darum, ein Gespür für die Umgebung und die natürlichen Zyk-len darin zu entwickeln.

Übung macht den Meister, doch wir müssen nicht alles von Grund auf selber lernen. Ein weiser Tipp von einem meiner Permakultur-Lehrer lautete: „Lerne von den Fehlern der anderen.“ In der Perma-kultur-Welt wird Wissen sehr freizügig geteilt – eine wichtige Grundlage für ein friedliches und pros-perierendes Zusammenleben.

Ein Gegenentwurf zum industriellen Prinzip


Die Permakultur ist ein vielversprechender Gegenentwurf zum industriellen Denken. Es gibt keine Standardlösungen und keine Zentralisierung. Die passende Lösung ergibt sich jeweils aus den vor-handenen Ressourcen, Werkzeugen, klimatischen und geografischen Bedingungen vor Ort sowie aus den kulturellen und individuellen Bedürfnissen der betroffenen Menschen.

Bedürfnisorientierte, dezentrale und transparente Low-Tech-Lösungen mit natürlichem Wachstum stehen Massenproduktion, Standardisierung, Abhängigkeit, Hightech und Wachstumszwang gegenüber

Meine persönliche Verbindung


So ist Permakultur seit 2020 Teil meiner Lebensphilosophie geworden – eine ganzheitliche Perspekti-ve, die in vielen großen und kleinen Situationen des Alltags dient. Für mich ist sie eine geerdete Form von Spiritualität: in Beziehung zu sein mit allem, was mich umgibt und was mich versorgt. Es zu ver-stehen und Sorge dafür zu tragen, schenkt mir Sinn und innere Ruhe.

Die Permakultur bietet einen riesigen Schatz an Erfahrungsmöglichkeiten für Selbstwirksamkeit und Selbstermächtigung. Besonders geprägt hat mich der Bereich lokaler Energiesysteme. Die Frage nach einer sinnvollen Energieversorgung faszinierte mich schon während meines Ingenieurstudiums.

Dass diese auch innerhalb lokaler Kreisläufe und im Einklang mit der Natur geschehen kann, weckte eine kindliche Begeisterung in mir. Schnell war der Wunsch geboren, vielen Menschen Low-Tech-Lösungen zu vermitteln und sie bei der Umsetzung lokaler Energiekonzepte zu unterstützen. So habe ich 2024 den Weg in die Selbstständigkeit eingeschlagen.

Selbstversorgung auf dem Chuderboden


Seit Frühling 2025 lebe ich Teilzeit auf dem Permakulturhof Chuderboden bei Malters, wo wir als Hofgemeinschaft einen hohen Autarkiegrad in allen Lebensbereichen als Vision haben.

Das reicht von Solararchitektur und möglichst lokaler Energieversorgung über Komposttoiletten und ein Wasser-Recycling-System mit Pflanzenkläranlage bis zum Selbstversorgergarten. Dieser Weg soll nicht zuletzt dank einer guten Vernetzung in der Region gelingen und als Beispiel dafür dienen, wie wir uns im Zeitalter von Abhängigkeiten und Chaos Selbstbestimmung, Kreativität und Gemein-schaftssinn bewahren können.

Einladung an dich


Was wolltest du schon immer einmal selbst machen? Ich möchte dich ermutigen, deine Träume zu verwirklichen. Im Internet gibt es unzählige inspirierende Videos und Anleitungen, ebenso wie viele Kurse und Workshops. Ob es mit Permakultur betitelt wird oder nicht, spielt letztlich eine untergeord-nete Rolle. Entscheidend ist deine Begeisterung!

Autor

Fredy Scheuber

Lokale Energiesysteme: Stromerzeugung, Heizen, Speichersysteme, Solarkocher, Biogas, Autarkie | Permakultur: Vom Selbstversorgergarten über Komposttoiletten bis zum natürlichen Bauen

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