DAS EVOLUTIONÄRE GEHIRN

Evolution der menschlichen Gehirnarten

Wie uralte Programme unser Verhalten prägen

 

Wir alle haben einen Körper und ein Gehirn. Doch die wenigsten verstehen, warum wir manchmal so reagieren, wie wir reagieren: nervös werden, uns bei Kritik klein fühlen oder uns die Worte fehlen. Dahinter steckt kein persönliches Versagen, sondern ein uralter evolutionärer Rucksack mit einem Schutzprogramm.

Wusstest du, dass das Gehirn nicht nur zum Denken da ist, sondern zum Vernetzen von Zusammenhängen?

Es ist ein Produkt der Evolution – ein Naturwunder, das über Millionen Jahre geformt wurde, um unser Über- leben zu sichern. Es arbeitet schnell, effizient und auto- matisch. Weil es zu viel Energie verbrauchen würde, jede Situation neu zu bewerten, nutzt es einen Trick: Es gleicht neue Situationen mit alten Erinnerungen ab, die in einer riesigen „Erfahrungsbibliothek“ gespeichert sind. Erlebnisse und ihre Gefühle, Gedanken und Kör- perempfindungen sind vernetzt in einem neuronalen Netzwerk abgelegt.

Tritt etwas Neues auf, prüft das Gehirn, ob es Bekann- tes gibt. Fast immer ja – und es greift auf das passende (Verhaltens-)Muster zurück. So reagieren wir blitz- schnell, meist aus alten Überlebensmustern heraus.

Als Pflegefachfrau war ich oft erstaunt, wie wenig Menschen über ihren eigenen Körper wissen. Viele fragten spontan: „Oh, du bist Pflegefachfrau, kannst du mal schauen …?“

Heute arbeite ich in einer Psychiatrie und in meiner Praxis als Trauma- und Hypnosetherapeutin. Auch hier sehe ich, wie wenig wir über unsere Psyche verstehen. Was in unserem Innersten passiert, bleibt vielen verborgen.

Gerade die Verbindung zwischen Körper und Psyche ist meine Leidenschaft. Deshalb biete ich Workshops über Evolution, Psychologie, Neurobiologie und ihre Zu- sammenhänge mit der Psyche an. Jeder Mensch sollte sich selbst besser verstehen können. Ich wünschte mir, dieses Wissen würde schon Kindern vermittelt – inklu- sive Techniken zum Umgang mit Gefühlen.

Selbstverständnis und Selbstregulation sind Schlüs- sel für ein gesundes Leben. Deshalb möchte ich hier einige Grundlagen teilen.

Die drei Gehirne – ein evolutionäres Team

 

Unser Gehirn besteht aus drei Schichten, die sich wie bei einer Zwiebel übereinanderlegen. Jede stammt aus einer anderen Phase der Evolution und erfüllt eigene Aufgaben:

Reptiliengehirn (Hirnstamm) – der älteste Teil. Es steuert Herzschlag, Atmung und Reflexe. Bei Ge- fahr übernimmt es instinktiv die Kontrolle, Herz- schlag und Atmung steigen, wir sind flucht- oder kampfbereit.

Säugetiergehirn (Limbisches System) – hier entstehen Emotionen. Erfahrungen werden hier abgespeichert. Vom Einzelgänger-Reptil ent- wickelte sich das soziale Säugetier, das Gefühle regulieren musste, um im Rudel zu überleben.

Primatengehirn (Neokortex) – die jüngste Schicht, das Denkzentrum. Hier sitzen Sprache, Logik und Planung. Schon Primaten konnten Werkzeuge nutzen und Strategien entwickeln.

Diese drei Teile arbeiten zusammen wie ein Orchester – doch unter Stress übernimmt das instinktive, ältere Gehirn. Klares Denken ist dann kaum möglich.

Wie Kindheitserfahrungen unser Gehirn prägen

 

Viele Muster stammen aus der Kindheit, manchmal schon aus der Zeit im Mutterleib. Ein Embryo, der in einem unsicheren Umfeld heranwächst, „lernt“ Rückzug als Schutz.

Als Erwachsener zieht sich die Person in Konflikten vielleicht zurück, äußert Bedürfnisse nicht. Dieses „Ver- kriechen“ hat sich als Überlebensmuster eingeprägt. Tiere erstarren oder stellen sich tot – so auch wir, ganz automatisch.

Mit Traumatherapie, Hypnose, Ego-State-Arbeit oder Innerer-Kind-Arbeit lassen sich neue Wege lernen. Durch Selbstverständnis und Wissen über innere Vor- gänge können neue Muster entstehen. Wir wollen ja nicht bei jedem Konflikt blockieren oder „totstellen“.

Fight, Flight oder Freeze – das uralte Notfallprogramm

 

Stress ist oft ein Zeichen, dass eine alte Wunde getrig- gert wurde. Gerät das Gehirn in Alarmbereitschaft, akti- viert es eines von drei Programmen, um das Überleben zu sichern:

-Fight (Kampf) – Angriff, um Gefahr abzuwehren.

– Flight (Flucht) – Weglaufen, um sich zu retten.

-Freeze (Erstarren) – sich klein machen, um unbemerkt zu bleiben.

Damals Lebensrettung – heute Stressauslöser

 

Diese Mechanismen retteten einst Leben. Heute wirken sie in harmlosen Situationen: E-Mails, Termindruck, Familie, Job – Stress pur.

Stress ist individuell, so wie die Erfahrungen, die uns geprägt haben. Dann wollen wir

davonlaufen (Fluchtmodus),

streiten (Kampfmodus) oder

uns verkriechen (Erstarrung).

Beispiele:

-Rudelverhalten: Ausschluss bedeutete früher Lebensgefahr. Heute löst Mobbing denselben Stress aus.

-Knallende Tür: Früher Zeichen eines Angriffs, heute vom Wind verursacht – trotzdem Herz- klopfen.

-Streit: Lautes Geschrei kann alte Bedrohungen reaktivieren – wir erstarren.

Das fehlende Puzzleteil – warum dieses Wissen wichtig ist

 

Zu verstehen, wie das Gehirn funktioniert, ist, als fände man ein fehlendes Puzzleteil. Plötzlich erkennt man, dass man nicht „falsch“ ist, sondern automatisch aus einem Schutzmechanismus heraus reagiert. Das Gehirn will schützen – manchmal mit alten, unpassenden Mustern.

Wenn man erkennt, dass alte Programme aktiviert sind, entsteht ein Raum zwischen Reiz und Reaktion. Genau dort liegt die Chance, neue Wege zu lernen, neuronale Verknüpfungen neu zu verschalten und alte Muster zu überschreiben.

Beim nächsten Herzklopfen oder Wutanfall kannst du dich fragen: Kampf, Flucht oder Erstarrung?

Sei liebevoll und geduldig mit dir. Wahrscheinlich wurde eine alte Wunde berührt, und dein evolutionäres Gehirn versucht dich gerade zu schützen.

Das ist unser evolutionärer Rucksack – ein Hinweis auf etwas Unverarbeitetes. Wo lohnt es sich hinzuschauen und Altes zu lösen?

Alte Programme überschreiben – Schritt für Schritt

In meiner Arbeit als Traumatherapeutin fließt dieses Wissen ständig ein. Ein wichtiger Teil ist, das Nervensystem zu beruhigen – mit Körperübungen, Atemtechniken, EFT und psychologischer Aufklärung. In meinen Workshops vermittle ich gezielt das Zusammenspiel von Körper und Psyche.

Wenn du verstehst, wie du funktionierst, kannst du alte Programme überschreiben – und Schritt für Schritt neue, heilsame Wege gehen.

Wir alle haben unbewusste Triggerpunkte, die Stress auslösen. Dort, wo Stress entsteht, wird eine alte Wunde berührt.

Körper und Psyche sind untrennbar verbunden

Wer lernt, sich selbst zu verstehen, kann sein Leben bewusster und freier gestalten. Vielleicht war dieser Artikel ein erster Schritt dafür.

 

 

Autorin

Sarita Brehm

Traumatherapie | Hypnose | Rückführungen & Seelenreisen | Workshops

Weitere Artikel

HERZÖFFNER

Herzen öffnen für das Anderssein
Mit diesem Buch möchte ich Herzen öffnen – für das Anderssein, für die Vielfalt des Lebens und für das, was uns im Innersten verbindet. Das Buch Herzöffner ist mit viel Herzblut entstanden und liegt mir sehr am Herzen.

Weiter »

GOLDENE MASSAGEREGELN

Gute Massagen geben von Anfang an mit TouchLife
Menschen brauchen Berührung. Mit Massagen kann jede*r im Freundes- und Familienkreis direkt helfen und einander Gutes tun. So sind die „Goldenen Massageregeln“ für all jene gedacht, die eine in Achtsamkeit ausgeführte, harmonische Massage geben möchten und Wert darauf legen, alles richtig zu machen.

Weiter »

Willkommen IN MEINER WELT und Die Reise ZU MIR SELBST

Es freut mich sehr, im Flügelschlag mein Buchset vorstellen zu dürfen. Diese Bücher hatten von Anfang an ihren eigenen Willen und gingen ihren ganz eigenen Weg. Denn ursprünglich hatte ich weder die Absicht noch die finanziellen Mittel, ein Buchprojekt zu realisieren. Doch ich bin schon lange «mit dem Universum unterwegs» – und offenbar hatte es andere Pläne mit mir.

Weiter »

HELLE, RAUHE NÄCHTE

Der längste Tag des Jahres ist mehr als ein Datum – er ist eine Einladung zur Einkehr. In zwölf besonderen Sommertagen wird die Natur zur Lehrerin und erinnert dich daran, wer du bist, jenseits von Rollen, Tempo und Erwartungen.

Weiter »

Bücher zum Entdecken – Ausgabe 10

Es wird sie immer geben, selbst in einer Welt, die von digitalen Programmen und Computersimulationen beherrscht wird – die gedruckten Bücher. Bücher, diese Kunstwerke innerer Welten, sind weit

Weiter »

Messen im Wandel

Neue Perspektiven in der Esoterik- und Gesundheitsbranche
Seit Corona hat sich vieles verändert – auch die Welt der Messen. Was früher selbstverständlich war, musste pausieren, sich neu erfinden oder ganz verschwinden. Besonders die Esoterik- und Gesundheitsmessen erlebten eine Transformation. Doch nun kehren sie mit neuen Ideen, frischem Elan und innovativen Ansätzen zurück. Ein persönlicher Einblick in eine Branche, die mehr bietet, als viele denken.

Weiter »

Seelenbilder – Unsere Persönlichkeit in Farben

In einer Welt, die oft auf das Sichtbare und Materielle fokussiert ist, lenken Seelenbilder den Blick auf eine tiefere Ebene der menschlichen Existenz – eine Dimension, die uns nicht nur mit unseren inneren Kräften verbindet, sondern auch mit der uns umgebenden spirituellen Energie. Doch was genau sind Seelenbilder? Und wie können sie uns helfen, unser wahres Wesen zu erkennen?

Weiter »

Biografische Trancetherapie

Kennst du das? Du sagst Ja, obwohl du Nein sagen wolltest. Du wirst wütend, wenn dich dein Partner um etwas bittet, und fühlst dich unfrei. Angst überkommt dich in bestimmten Situationen, oder du verstummst, wenn Freunde eine andere Meinung haben.

Weiter »

Das Mysterium der 5. Herzkammer

In einer Zeit, die von hektischen Alltagsanforderungen und stetigem Druck geprägt ist, wächst das Bedürfnis nach innerer Ruhe und einem tieferen Verständnis des eigenen Seins. Immer mehr Menschen suchen nach Wegen, sich von äußeren Zwängen zu lösen und in die eigene Mitte zu finden. Das Konzept der „5. Herzkammer“ eröffnet uns hierbei eine tiefgreifende Möglichkeit der Rückbesinnung und Transformation.

Weiter »

KUNST UND LEBEN

Vom Erschaffen und den Lehren der Tiere
Hallo du, schön, dass du diese Zeilen liest. Ich danke dir, Fremde(r) oder Bekannte(r).
Ich sehe dich nicht hinter mir, aber ich möchte dir eines meiner Mottos zeigen, in Tinte gestochen: „Kunst ist Leben“ – und im Umkehrschluss: „Leben ist Kunst“. So sind diese niedergeschriebenen Worte einfach Gedanken über das Leben an sich, für mich und für dich.

Weiter »
Nach oben scrollen