Die Native American Style Flute (NASF) ist für mich weit mehr als nur ein Instrument. Sie ist ein Klang, der tief in die Seele dringt, ein Ausdruck von Emotionen und ein Werkzeug für Heilung und innere Ruhe. Ihre Töne tragen mich in Welten, die Worte nicht erreichen können, und berühren die Herzen der Menschen, die ihr lauschen.
Die Native American Style Flute, die ich baue, ist von den nordamerikanischen Ureinwohnern inspiriert. Für mich steckt in jeder dieser Flöten eine besondere Geschichte, die tief mit der Kultur der indigenen Völker verwoben ist. Es gibt zahlreiche Überlieferungen über die Entstehung dieser Flöten, die je nach Stamm und Region variieren. Früher verwendete man Schilfrohre oder hohle Äste zur Herstellung der Flöten, und sogar Adlerknochen kamen für zeremonielle Instrumente zum Einsatz.
Eine der bekanntesten Bezeichnungen für diese Flöte ist „Liebesflöte“, da sie von Männern gespielt wurde, um ihre Gefühle auszudrücken – sanfte Melodien für ihre Angebeteten.
Doch für mich geht der Wert dieses Instruments weit über diesen Aspekt hinaus. Die älteste Flöte dieser Art, die 1931 von Samuel C. Dellinger entdeckt wurde, stammt aus dem 11. Jahrhundert. Dies zeigt, wie tief verwurzelt diese Tradition ist, und ich fühle mich geehrt, Teil dieser Geschichte zu sein.
Heutzutage werden die meisten Flöten als „Native American Style Flutes“ bezeichnet, da sie von Menschen aus aller Welt hergestellt werden, die sich an den traditionellen Bauweisen orientieren. Jeder Flötenbauer hat dabei seinen eigenen Stil, und auch ich entwickle kontinuierlich neue Techniken, um Klang und Form der Flöte zu perfektionieren. Doch die Essenz bleibt: Jede Flöte ist einzigartig und spiegelt den Charakter und die Energie ihres Erbauers wider.
Für mich liegt die Magie dieser Flöte darin, dass sie aus dem Herzen gespielt wird. In früheren Zeiten wurden die Flöten nicht nach festen musikalischen Regeln gestimmt, sondern nach Gehör. Wenn der Erbauer das Gefühl hatte, dass die Töne harmonisch klingen, war die Flöte perfekt.
In der heutigen Zeit werden die meisten Flöten mit dem Stimmgerät in der Moll Pentatonik gestimmt. Die intuitive Art des Musizierens hat etwas sehr Ursprüngliches und Ehrliches.
Die Flöte wird nicht nur als Musikinstrument genutzt, sondern auch in Zeremonien und Gebeten. Sie trägt die Schwingung des Gebets in die spirituelle Welt – zu den Geistern oder Wakan Tanka, dem großen Geheimnis. Für mich ist es ein großes Geschenk, Flöten zu bauen, deren Töne die Herzen der Menschen berühren. Wenn ich spiele, erlebe ich oft, wie die Musik in tieferen Tonlagen Bilder in den Köpfen der Zuhörer hervorruft oder Erinnerungen weckt, die tief in ihrer Seele schlummern.
Ein Erlebnis, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war ein Besuch zweier Kraftplätze im Kanton Aargau. Gemeinsam mit einer Geomantin, die die Energie dieser Orte mit einem Pendel maß, spielte ich die Flöte. Die Schwingung an diesen Plätzen stieg durch das Spiel um ein Vielfaches. Es war beeindruckend zu sehen, welche Energie die Flöte freisetzen kann.
Ein weiteres faszinierendes Thema ist die Frage nach der richtigen Frequenz. Vor 1939 war der Kammerton auf 432 Hz gestimmt – eine Frequenz, die im Einklang mit der Schwingung der Erde steht. Diese Musik spürt man nicht nur mit den Ohren, sondern mit dem Herzen und der Wirbelsäule. Sie kann beruhigend wirken und den Körper bei der Heilung unterstützen. Die meisten Flöten heute sind jedoch auf 440 Hz gestimmt. Ich stelle beide Arten her, doch es ist berührend zu erleben, wie stark Menschen auf die 432-Hz-Flöten reagieren. Es scheint, als berühre diese Frequenz etwas Tiefes in uns.
Jede Flöte, die ich baue, ist ein Unikat – individuell auf die Wünsche des neuen Hüters oder der neuen Hüterin abgestimmt. Besonders spannend ist es für mich, wenn ich die Freiheit habe, mich vollkommen auf den Menschen einzustimmen und ohne Vorgaben zu arbeiten. So entstehen sehr persönliche Flöten, die eine besondere Verbindung zwischen mir und dem neuen Besitzer herstellen.
Ich glaube fest daran, dass jeder Mensch seine eigene Melodie in sich trägt.
Oft höre ich den Satz: „Ich spiele immer das Gleiche.“ Für mich ist das jedoch etwas Wunderbares, denn es zeigt, dass jeder von uns sein persönliches Lied hat – ein Ausdruck unserer Wurzeln und unserer Einzigartigkeit. Wenn wir frei aus dem Herzen spielen, wird diese Melodie lebendig. Das ist für mich die Essenz dieses wunderbaren Instruments: zur Ruhe kommen, loslassen und sich von den Tönen in ferne Welten tragen lassen.
Es erfüllt mich mit großer Freude, eine Flöte zu überreichen. Jedes Mal erlebe ich, wie Menschen emotional berührt sind, wenn sie nach einer kleinen Zeremonie ihre Flöte in den Händen halten. Manchmal fließen sogar Tränen. Ein Teil des Erlöses meiner Flöten geht zudem an ein Projekt, das indigene Menschen in South Dakota unterstützt. So kann ich etwas an die Kultur zurückgeben, die uns dieses wunderbare Instrument geschenkt hat.
Die Native American Flute ist für mich ein treuer Begleiter im Leben. Sie bringt uns in Kontakt mit unserer inneren Stimme und schenkt uns Momente der Stille und Einkehr. Es ist ein großes Privileg, diese Flöten zu bauen und ihre Kraft mit anderen zu teilen.
„Für mich ist jede Flöte eine Verbindung zu den Menschen, zu ihrer Seele und ihren innersten Gefühlen. Es ist ein Geschenk, die Herzen mit diesem einzigartigen Instrument berühren zu dürfen.“
Autor

Georg Mulle
Musiker, Flötenbauer, Mystiker, Runenexperte, Kanal für heilende Energien und mehr.
