Vom richtigen Zeitpunkt, die Haare zu schneiden

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„Fairness ist die Kunst, sich in den Haaren zu liegen, ohne die Frisur zu zerstören.“ (Gerhard Bronner)

Wir alle haben Haare, und wir alle wissen, dass sie hin und wieder einen Schnitt brauchen. Aber Haare sind so viel mehr als nur einfacher Kopfschmuck oder Schutz vor Sonne und Regen. Sie sind Ausdruck unserer Persönlichkeit, sie erzählen die Geschichte von dem, wer wir sind, wer wir sein wollen und wo wir im Leben stehen. Ganz zu schweigen davon, dass sie gnadenlos unsere inneren und äußeren Veränderungen dokumentieren. Daher stellt sich die Gretchenfrage: „Wann ist der perfekte Zeitpunkt, um die Haare zu schneiden?“

Die Antwort scheint simpel und einfach zu sein: Wenn deine Haare dich nerven. Wenn deine Frisur nicht mehr sitzt. Wenn deine Haare machen, was sie wollen, aber auf keinen Fall das, was du willst. Meistens passiert das von einem Tag auf den anderen. Plötzlich wollen wir alles anders haben. Zumindest alles, was sich auf unserem Kopf befindet. Höchste Zeit also, zum Telefon zu greifen und einen Termin beim Friseur unseres Vertrauens zu vereinbaren.

Übrigens, wusstest du, dass wir etwa 80.000 bis 120.000 Haare auf unserem Kopf haben? Jeden Tag verlieren wir ungefähr 100 davon. Ein Haarzyklus dauert zwischen 6 und 8 Jahren. Es wächst, fällt aus und das alles auf natürliche Weise. Wir merken das kaum.

Unsere Haare sind immer im Wandel. Sie werden beeinflusst von Pubertät, Schwangerschaft, Geburt, Wechseljahren, Stress, Krankheit, Ernährung und unserer gesamten Umgebung. Sie reagieren auf jede noch so kleine Veränderung. Warum? Weil unsere Haare unser innerstes Selbst reflektieren. Daher lassen wir von klein auf nur wenige Menschen unsere Haare berühren: unsere Eltern, unsere Kinder und unsere Partner. Das Berühren der Haare ist ein sehr intimer Moment.

Als meine Tochter drei Jahre alt war, hatte sie wunderschöne blonde Locken. Das führte dazu, dass viele Leute, die sie sahen, ihre Haare berühren oder streicheln wollten. Meiner Tochter war das jedoch unangenehm, also wünschte sie sich kurzerhand einen Hut. Fortan trug sie den fast ständig auf dem Kopf. Niemand musste sie dazu auffordern – sie tat es freiwillig und mit großer Begeisterung. Problem gelöst!

Kleiner Tipp am Rande: Wenn du jemandes Haare berühren möchtest, frag höflich: „Darf ich deine Haare berühren?“ Diese respektvolle Geste wird von allen Beteiligten sehr geschätzt.

Auch in meinem Salon bin ich so achtsam wie möglich, wenn eine Kundin oder ein Kunde zum Haareschneiden kommt. Mir ist bewusst, dass Haare etwas sehr Persönliches sind und ein Haarschnitt ein intimer Tanz auf einer besonderen Ebene des Vertrauens darstellt.

Bevor ich beginne, nehme ich mir die Zeit, den Menschen über sein Haar wahrzunehmen. So bürste ich das Haar vor jedem Schnitt mit meiner Holzbürste, die unterschiedlich lange Wildschweinborsten hat. Die langen Borsten massieren die Kopfhaut und nehmen gleichzeitig Talg von den Talgdrüsen auf, der dann im Haar verteilt wird. So massiert, reinigt und pflegt die Bürste Kopfhaut und Haare.

Eigentlich ist das die natürliche und einzige Pflege, die unser Haar braucht. Hört sich super einfach an, oder? Einhundert Bürstenstriche pro Tag und nach drei bis sechs Monaten ist unser Haar wieder im natürlichen Gleichgewicht.

Ich liebe es trotzdem, meine Haare regelmäßig zu waschen. Es macht einfach Spaß, das Wasser über den Kopf laufen zu lassen und natürliche Shampoos mit wenigen Inhaltsstoffen zu benutzen. Dabei massiere ich Kopfhaut und Haare belebend. Warum eigentlich natürliche Shampoos? Unsere Haut ist durchlässig. Alles, was wir auf die Haut auftragen, gelangt in unseren Körper. Und wer möchte freiwillig Silikon oder gar giftige Chemikalien in sich aufnehmen?

Fakt ist, jeder Mensch hat Haare. Und selbst wenn jemand noch keine hat – wie bei Babys – ist man gespannt darauf, wie die Haare wachsen werden. Und irgendwann werden die Haare grau, oder besser gesagt, weiß. Das passiert, wenn das Haar kein Melanin mehr bildet. Dann bleiben sie weiß. Da wir normalerweise neben weißen Haaren auch noch farbige Haare auf dem Kopf haben, erscheint das Haar in verschiedenen Grautönen. Das ist einfach genial! Wir tragen auf unserem Kopf sämtliche Grautöne von Weiß bis Schwarz.

Mit einem Haarschnitt zeigst du deine innere Schönheit im Aussen.

Ein Haarschnitt ist nicht nur Haare schneiden. Es bedeutet auch, dass wir im Leben einen Schnitt machen. Dadurch wird ein Prozess ausgelöst, begleitet oder abgeschlossen. Daher ist die passende Frisur, die dem inneren Wesen entspricht, so wichtig.

Im Austausch mit meinen Kunden und Kundinnen und mit Hilfe meiner sensitiven Wahrnehmung finden wir gemeinsam die perfekte Frisur und Länge. Denn die Haare unterstützen uns, begleiten uns, geben uns Kraft, Schutz und Vertrauen. Du kennst das sicher: Egal wie viel Haare du abschneidest, es ist immer eine Veränderung, die du spürst. Sogar bei langen Haaren, wenn nur die Spitzen gekürzt werden, spürst du die Veränderung.

Im Laufe meiner Arbeit mit und an Haaren habe ich festgestellt, dass jeder Mensch eine Wohlfühllänge seiner Haare hat. Genauso wie ein Wohlfühlgewicht. Natürlich ändert sich das im Laufe des Lebens.

Oft sind wir mit uns selbst unzufrieden. Das spiegelt sich auch in unseren Haaren wider. Wenn zum Beispiel eine Kundin unbedingt längere Haare haben möchte, es aber einfach nicht funktioniert, wird in dem Moment klar, wo ihre Wohlfühllänge liegt. Jeder Mensch hat genau die Haare, die er braucht und die perfekt zu ihm passen. Wenn wir diese Akzeptanz erreichen, wird es unglaublich anders, denn wir fangen an, uns selbst zu lieben.

Bei mir hat es etwa 20 Jahre gedauert, bis ich mein Haar akzeptieren konnte. In dieser Zeit habe ich alles Mögliche ausprobiert, um die perfekte Frisur zu bekommen. Heute liebe ich mein Haar so, wie es ist – mit all seinen verschiedenen Farben und Locken. Denn ich kann es immer noch nicht richtig stylen, es macht einfach, was es will, es ist wild und frei. Es verhält sich so, wie ich als Mensch bin.

Ein Haarschnitt ist ein heiliges Ritual, ein hingebungsvoller Akt, der eine enorme Wirkung entfalten kann. Nach dem Schnitt fühlt sich dein Haar möglicherweise frisch und federleicht an. Vielleicht hast du einen neuen Look, der dich zum Strahlen bringt. Oder du empfindest einfach eine befreiende Leichtigkeit, indem du dich von altem Ballast löst.

Also, wenn der Drang, deine Haare zu verwandeln, das nächste Mal in dir aufsteigt, dann mach nicht einfach nur einen Termin zum Haareschneiden. Tauche ein in das aufregende Abenteuer der Veränderung. Denn es geht nicht nur um das äußere Erscheinungsbild deiner Haare, sondern um das mitreißende Gefühl, das du mit deinem neuen Lebensabschnitt verknüpfst und das du durch deinen individuellen Haarschnitt ausstrahlst.


Herzliche Grüße,

Silvia Jenni, Naturcoiffeuse

„Nur ein Haar trennt die Wahrheit von der Lüge.“
(Omar Khayyam)

Autor

Silvia Jenni

Flügelschlag-Partnerin | erfahrene Naturcoiffeuse und Expertin für die magischen 12 Nächte zum Jahreswechsel

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